Reinigungsangebote zu vergleichen ist schwerer, als es aussieht, weil zwei Zahlen fehlen, die selten mitgeliefert werden: die geplante Flächenleistung und der Leistungsumfang. Ohne beide sagt ein Stundensatz nichts.
Warum der Stundensatz allein nichts aussagt
Zwei Anbieter nennen 28 und 34 Euro pro Stunde. Das günstigere Angebot wirkt klar besser — bis man fragt, wie viele Quadratmeter pro Stunde jeweils eingeplant sind. Wer 400 m² pro Stunde ansetzt, wo 250 m² realistisch wären, ist nicht günstiger, sondern rechnet mit einer Gründlichkeit, die im Ergebnis nicht ankommt.
Als grobe Orientierung für die Unterhaltsreinigung in Büroflächen gelten je nach Möblierung, Bodenbelag und Reinigungsumfang etwa 200 bis 300 m² pro Stunde. Stark möblierte Bereiche, viele Einzelbüros und Sanitärflächen liegen deutlich darunter, große offene Flächen darüber. Die entscheidende Frage an jeden Anbieter lautet deshalb: Mit welcher Flächenleistung kalkulieren Sie?
Rechnen Sie Angebote auf den Preis pro Quadratmeter und Durchgang um. Erst dann werden sie vergleichbar — und erst dann fällt auf, wenn ein Anbieter mit unrealistischem Tempo kalkuliert.
Woraus sich der Preis zusammensetzt
Der Stundensatz, den Sie sehen, ist nicht der Lohn der Reinigungskraft. Er enthält:
- Lohn — im Gebäudereinigerhandwerk gilt ein allgemeinverbindlicher Branchenmindestlohn, der über dem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn liegt und regelmäßig angepasst wird
- Lohnnebenkosten — Sozialversicherung, Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall; das ist ein erheblicher Aufschlag auf den reinen Stundenlohn
- Material und Geräte — Reinigungsmittel, Mikrofasertücher, Maschinen, Wartung
- Versicherung — eine Betriebshaftpflicht, die Schäden an Ihrem Eigentum abdeckt
- Organisation — Einsatzplanung, Vertretung bei Krankheit, Qualitätskontrolle, Abrechnung
- Fahrzeiten — je kleiner das Objekt, desto stärker fallen sie ins Gewicht
Rechnet man diese Bestandteile zusammen, ergibt sich eine untere Grenze, unterhalb derer ein Angebot rechnerisch nicht mehr aufgeht. Die konkreten Zahlen ändern sich jährlich — die aktuellen Werte des Branchenmindestlohns sind öffentlich einsehbar und einen Blick wert, bevor Sie Angebote bewerten.
Liegt ein Angebot deutlich unter dieser Grenze, gibt es dafür in aller Regel nur wenige Erklärungen: unterschrittene Löhne, nicht gemeldete Beschäftigung, fehlender Versicherungsschutz oder eine Kalkulation mit einer Flächenleistung, die niemand einhalten kann. Auftraggeber können bei Verstößen im Rahmen der Auftraggeberhaftung mit in Anspruch genommen werden.
Fünf Fragen, die ein Angebot belastbar machen
- Wie lautet das Leistungsverzeichnis? Eine Liste der Tätigkeiten mit Intervall je Bereich. Ohne sie ist jede spätere Reklamation Auslegungssache.
- Wie viele Stunden sind pro Durchgang eingeplant? Diese Zahl steht selten im Angebot, entscheidet aber über das Ergebnis.
- Sind Material und Verbrauchsmittel enthalten? Seifen, Papier und Müllbeutel werden gerne separat berechnet.
- Wer kommt bei Krankheit oder Urlaub? Ein Ein-Personen-Betrieb ohne Vertretung bedeutet Ausfälle ohne Ersatz.
- Besteht eine Betriebshaftpflicht, und in welcher Höhe? Ein beschädigter Boden oder ein Wasserschaden übersteigt schnell jede Ersparnis beim Stundensatz.
Weitere Warnzeichen
- ein Festpreis ohne vorherige Besichtigung des Objekts
- kein schriftliches Leistungsverzeichnis, nur eine Summe
- Barzahlung erwünscht, keine ordentliche Rechnung mit Umsatzsteuerausweis
- lange Mindestvertragslaufzeit bei gleichzeitig sehr niedrigem Preis
- ständig wechselndes Personal ohne feste Ansprechperson
Wo Sie wirklich sparen können
Nicht am Stundensatz, sondern am Zuschnitt. Drei Hebel wirken in der Praxis am stärksten:
Intervalle differenzieren. Sanitärbereiche täglich, Einzelbüros zwei- statt fünfmal pro Woche, Archiv und selten genutzte Räume wöchentlich. Das senkt den Aufwand spürbar, ohne dass es auffällt.
Zugänglichkeit verbessern. Freigeräumte Tische, hochgestellte Stühle und ein aufgeräumter Boden erhöhen die Flächenleistung erheblich — dieselbe Fläche in weniger Zeit, bei gleichem Ergebnis.
Grundreinigung planen statt erzwingen. Wer die Unterhaltsreinigung ausdünnt, zahlt die Ersparnis später in einer Grundreinigung zurück, meist mit Aufschlag. Regelmäßigkeit ist die günstigere Variante.
Wir kalkulieren nach Besichtigung und legen die eingeplante Stundenzahl je Durchgang offen. Sie sehen damit, wofür Sie zahlen — und können unser Angebot mit anderen auf derselben Grundlage vergleichen.