Dieser Beitrag hat zwei Teile. Der erste ist der wichtigere und kennt keine Abstufungen: Bestimmte Kombinationen handelsüblicher Reinigungsmittel erzeugen innerhalb von Sekunden gefährliche Gase. Der zweite erklärt, was ein Umweltzeichen wirklich garantiert — und was nicht.

Diese Mischungen dürfen nie entstehen

Keine davon erfordert Industriechemie. Alle entstehen mit Produkten aus dem Supermarkt, und das Risiko steigt in kleinen, schlecht belüfteten Räumen wie einem Bad mit geschlossener Tür.

Chlorreiniger und Ammoniak (Salmiakgeist). Es entstehen Chloramine — reizende Gase, die Husten, Brennen in Augen und Rachen und in hoher Konzentration Lungenschäden verursachen. Viele Glas- und Bodenreiniger enthalten Ammoniak, ohne dass es auf der Vorderseite hervorgehoben wird.

Chlorreiniger und jede Säure (Essigreiniger, Zitronensäure, Entkalker, Sanitärreiniger auf Säurebasis). Es entsteht Chlorgas. Das ist die häufigste Ursache häuslicher Vergiftungen dieser Art und passiert meist unabsichtlich: Der Entkalker wirkt nicht, also kippt man Chlorreiniger hinterher.

Chlorreiniger und Alkohol oder Aceton. Es bilden sich Chloroform und weitere chlorierte Verbindungen, die reizend und giftig sind.

Wasserstoffperoxid und Essig im selben Gefäß. Es entsteht Peressigsäure, ätzend für Haut, Augen und Atemwege. Nacheinander und mit Zwischenspülung angewendet ist beides unproblematisch — zusammen in einer Sprühflasche nicht.

Drei Regeln decken alle Fälle ab: niemals zwei verschiedene Produkte mischen, beim Wechsel des Mittels mit Wasser zwischenspülen, und Sprühflaschen nicht ohne Entleeren und Ausspülen weiterverwenden. Und niemals Reinigungsmittel in Getränkeflaschen umfüllen, so eindeutig es im Moment auch erscheint.

Natürlich heißt nicht harmlos

Essig und Natron gelten als Universalmittel und sind es nicht:

  • Essig löst Kalkstein an — auf Marmor, Naturstein, Terrazzo und Zementfugen hinterlässt er irreversible matte Flecken
  • Essig schadet Parkett — er greift Versiegelung und Wachs an und lässt das Holz mit der Zeit vergrauen
  • Natron ist ein Scheuermittel — auf Edelstahl unproblematisch, auf Acryl, Kunstharz, Ceranfeld und lackierten Flächen verursacht es feine Kratzer
  • Essig und Natron zusammen neutralisieren sich — das Aufschäumen ist eindrucksvoll, übrig bleibt im Wesentlichen Salzwasser. Im Abfluss bringt es etwas mechanische Bewegung, mehr nicht
  • Ätherische Öle sind für Tiere nicht unbedenklich — mehrere davon, unter anderem Teebaumöl, sind für Katzen schon bei Kontakt oder Einatmen giftig

Was das EU-Ecolabel tatsächlich prüft

Anders als „natürlich", „grün" oder „bio", die von niemandem kontrolliert werden, ist das EU-Ecolabel ein offizielles Zeichen der Europäischen Union, das nach Prüfung vergeben und bei Abweichung wieder entzogen wird. Es verlangt vier nachprüfbare Dinge:

  1. Begrenzte Gewässerbelastung — jeder Inhaltsstoff wird nach seiner Gefährlichkeit für Gewässer gewichtet, und die Summe darf einen Grenzwert nicht überschreiten
  2. Biologische Abbaubarkeit — die Tenside müssen sich rasch abbauen, auch unter Bedingungen ohne Sauerstoff
  3. Ausgeschlossene Stoffe — keine Phosphate, starke Einschränkungen bei allergenen Duftstoffen und bei persistenten Substanzen
  4. Nachgewiesene Wirksamkeit — das Produkt muss bei empfohlener Dosierung mindestens so gut reinigen wie eine Marktreferenz

Der letzte Punkt wird meist übersehen. Ein Produkt mit Ecolabel muss ordentlich reinigen: Die Vorstellung, Ökologisches leiste weniger, passt nicht zum Kriterienkatalog der Zertifizierung.

Die Dosierung wiegt schwerer als das Etikett

Ein zertifiziertes Mittel falsch dosiert verliert einen großen Teil seines Vorteils. Mehr reinigt nicht besser: Der Überschuss hinterlässt einen Film, der Schmutz bindet, und erzwingt einen zusätzlichen Klarspülgang. Mit Dosierhilfe oder Konzentratsystem sinkt der Verbrauch deutlich, und die Flächen bleiben länger sauber.

Wenn Sie beim Reinigen Kratzen im Hals, Husten oder Brennen in den Augen bemerken: Raum sofort verlassen und lüften. Nicht „noch schnell fertig machen".